Bündnis 90/ Die Grünen OV Kronberg

Klimaschutz beginnt hier: Mit uns! In Kronberg.

Rede zum Thema Baufeld V (Mechthild Schwetje, Fraktionsvorsitzende)

Herr Knoche, meine Damen und Herren, liebe Gäste,

ein zukunftsweisendes und nachhaltiges Klimaquartier, das den Menschen, die unsere Stadt dringend braucht, Wohnraum zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stellt – dies in einem städtebaulich richtigen Maßstab – keine kleine Aufgabe, die wir uns da gemeinsam gestellt haben und die wir, in den vergangenen Jahren mit vielen Beschlüssen immer wieder bekräftigt haben. Nun waren wir – endlich! möchte man ausrufen – diesem Ziel einen großen Schritt näher gekommen: 19 Architekturbüros sind unserem Aufruf gefolgt und haben mit viel Einsatz, mutigen Ideen und hoher architektonischer Qualität hervorragende Wettbewerbsergebnisse abgeliefert. Ein Leuchtturmprojekt für die Stadt, mit Wohnraum für junge Familien, für Menschen, die wichtige Aufgaben in unserer Stadt übernehmen, sich bei der Feuerwehr engagieren, in der Pflege arbeiten, die dringend nötigen Kita-Arbeitsplätze besetzen.

Das, meine Damen und Herren, scheint mir doch eigentlich eine wunderbare Grundlage, um das nun im Vergabeverfahren vorgesehene Verhandlungsverfahren einzuleiten! Da verwundert es mich schon sehr, dass der Magistrat mit seinem Antrag das ganze Projekt einfach sang- und klanglos beerdigen möchte, ohne Alternativen, ohne irgendeinen Impuls für unsere Stadt zu setzen.

So haben wir Grüne dann vor der Sommerpause in langen, konstruktiven und zunächst – so schien es - erfolgreichen Gesprächen mit SPD, UBG und FDP um Kompromisse gerungen, einen gemeinsamen Änderungsantrag eingebracht, der wirtschaftliche Belange ebenso berücksichtigte wie das Erreichen unseres gemeinsamen Ziels: In Kronberg endlich bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, dies in einem Quartier mit hoher städtebaulicher Qualität und klimagerechter Architektur; der das Wettbewerbsverfahren regulär fort geführt hätte und damit die Möglichkeit eröffnet hätte, im Anschluss gemeinsam mit breiter Mehrheit zu entscheiden, wie wir den Wohnraum bestmöglich realisieren.

Ich habe nun bewusst nochmals etwas weiter ausgeholt, um klar zu machen, welche Chancen wir gemeinsam gehabt hätten, für unsere Stadt, für die Menschen die hier leben, für ein zukunftsweisendes Wohnprojekt!

Aber was ist passiert: Die FDP springt in wirklich aller letzte Sekunde vom gemeinsamen Antrag ab und hinterlässt kurz vor der Sommerpause einen Scherbenhaufen an nicht umgesetzten Kompromissen, an Perspektivlosigkeit was die Wohnbebauung am Bahnhof betrifft und an wieder einmal zerstörtem politischen Vertrauen.

Meine Damen und Herren, wie Sie wissen hat nun das konservative Lager aus CDU, KfB und FDP über die Sommerpause an einem eigenen Antrag gestrickt. Dass dieser bezüglich der Schaffung von gefördertem und bezahlbarem Wohnraum weder finanzpolitisches für die Stadt noch sozial für die Menschen, die den Wohnraum dringend brauchen, klug ist, darauf wird mein Kollege Alexander Zock gleich noch ausführlich eingehen. Ich beschränke mich daher auf die planerischen Fragen, die sich mit diesem Antrag des konservativen Lagers stellen.

Da sagt der Antrag zunächst in seiner ersten Fassung ich zitiere „auf die zügigen Umsetzung des Projekts auf Basis der Siegerentwürfe des Realisierungswettbewerbs ist zu achten“. Dass dies urheberrechtlich so schlicht nicht geht, macht die von der Stadt eingeholte gutachterliche Stellungnahme unmissverständlich klar. Und was ist nun die Reaktion des konservativen Lagers darauf? Na dann eben ohne die Siegerentwürfe!

Meine Damen und Herren, damit verzichten sie ganz bewusst darauf, hervorragende Entwürfe, die dem Bahnhofsumfeld, den Bewohnern, der Stadt so viel Mehrwert gebracht hätten umzusetzen und beschränken sich, völlig mutlos, auf ein paar Zahlen aus dem Eckpunktepapier, die nun wirklich gar nichts über architektonische Qualität aussagen, das ist wirklich traurig und fällt weit zurück hinter all das was mit der Entwicklung am Bahnhof vom Casalsforum, über das Hotel bis hin zu Busbahnhof und Bikegarage bis jetzt geschaffen wurde bzw. in Kürze geschaffen wird. Und meine Damen und Herren, dies alles völlig ohne Not, denn mit unserem Änderungsantrag hätten auch Ihnen alle Türen offen gestanden, das Verfahren fortzuführen, wirtschaftliche Stellschrauben zu drehen und ein zukunftsweisenden Klimaquartier am Bahnhof umzusetzen.

Erlauben Sie mir noch eine abschließende Frage: Was glauben Sie wird passieren, wenn die Stadt Kronberg, wenn wir alle zu welchem Bauvorhaben auch immer nochmals einen Architekturwettbewerb ausloben möchte?

Wird sich ein einziges hochkarätiges Planungsbüro finden, dass vor dem von Ihnen angestrebten Hintergrund bereit ist, für unsere Stadt tolle Entwürfe zu erarbeiten, die kurze Zeit später einfach in die Tonne getreten werden?

Wird sich ein einziger kompetenter Preisrichter oder -richterin finden, die bereit ist viel Zeit und Herzblut in aufwändige und wunderbar durchgeführte Preisgerichtssitzungen zu stecken? Es liegt auf der Hand, diese Fragen kann man nur mit NEIN beantworten, wie traurig für die künftige Bauqualität in unserer Stadt.

Vielen Dank

Kronberg, 25.09.2025



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